Bayern im Bann der Nebelschwaden: Vom Eigentor-Chaos zum jugendlichen Heldenepos
Zu Beginn der Partie sah man einen Rekordmeister, der so wirkte, als hätte er vergessen, dass er ein Rekordmeister ist. Die ersten 45 Minuten bestanden vor allem aus „wir laufen mal dagegen, vielleicht bewegt sich was“, aber es bewegte sich recht wenig außer der Puls der Fans. Und dann – natürlich – passierte das, was passieren musste: Ein deutscher Nationalspieler lenkte den Ball in bester „Heute mach ich’s mal selbst“-Manier ins eigene Tor. Ein Eigentor wie aus dem Lehrbuch für tragische Momente. Und plötzlich stand es 0:1, während 75.000 Zuschauer im Stadion gleichzeitig dachten: „Das wäre so vermeidbar gewesen.“
Doch wie es sich für eine hochwertig produzierte Bayern-Folge gehört, folgte die übliche zweite-Hälfte-Magie. Der Schiri pfiff erneut an, und die Münchner schalteten vom Modus „Winterschlaf“ auf „Titanen erwachen“. Zuerst drosch ein Flügelspieler den Ball ins Netz, als wolle er allen zeigen, warum er überhaupt existiert. Ein paar Minuten später stürmte dann der 17-jährige Newcomer aufs Rampenlicht: Er schoss das 2:1 mit der Selbstverständlichkeit eines Teenagers, der gerade herausgefunden hat, dass er unsterblich ist. Das Stadion brach aus wie ein schlecht erzogener Toaster: Funken, Hitze, Chaos – nur eben emotional.
Und schließlich setzte ein Abwehrmann den Deckel drauf, indem er das 3:1 erzielte, als wollte er sagen: „So, reicht jetzt. Wir müssen morgen wieder trainieren.“ Die Fans tobten, das Team jubelte, und plötzlich war die Welt wieder so, wie sie es in München gerne hat: geordnet, erfolgreich und mit Zukunftsversprechen versehen.
Besonders emotional wurde es kurz vor Schluss: Ein Flügelflitzer, der lange gefehlt hatte, wurde eingewechselt — und die Arena explodierte beinahe vor Applaus. Ein Moment, so rührend, dass sich selbst der Stadionsprecher wahrscheinlich dachte: „Da krieg sogar ich ein Tränchen.“
Doch während auf dem Rasen alles in Jubel, Tränen und Zukunftsvisionen aufging, brannte es auf der Tribüne – wortwörtlich. Die Fans der Südkurve hatten beschlossen, die zweite Halbzeit in eine Pyro-Kunstinstallation zu verwandeln. Es knallte, es leuchtete, es qualmte. Über die gesamte Breite der Kurve loderte eine Feuerlandschaft, die jeden Vulkanausbruch neidisch gemacht hätte.
Die Verantwortlichen fanden das – Überraschung – weniger ästhetisch. Der Vorstandschef erklärte nach dem Spiel sinngemäß: „Das war nicht so clever.“ Ein Teilausschluss der Fans stehe wohl bevor, denn Rauchschwaden im Stadion seien, gelinde gesagt, keine optimale Spielbegleitung. Vor allem nicht, wenn das Spielfeld plötzlich aussieht wie eine Nebelmaschine beim Dorffestival, und man Angst haben muss, dass der Schiedsrichter den Ball aus Versehen für den Mond hält.
So endet ein Champions-League-Abend wie ein guter banahler Roman: mit Drama, Glück, jugendlichem Heldentum, Verwunderung, Rauchentwicklung und der Erkenntnis, dass beim FC Bayern selbst ein 3:1-Sieg Stoff für mindestens drei Pressekonferenzen liefert.