Brandenburgs neue Sehenswürdigkeit: Die zehn Meter hohe Überraschungs-Ölfontäne von Gramzow
Was war passiert? Aus einer Pipeline der PCK-Raffinerie trat Öl aus. Und zwar nicht ein bisschen, nicht tröpfelnd, nicht gelangweilt versickernd – nein, das Umweltministerium spricht von „großen Mengen Öl“, ein Ausdruck, der im Behördenalphabet ungefähr der Stufe „Bitte sofort alles absperren und niemanden in weißen Turnschuhen durchlassen“ entspricht.
Feuerwehr und Spezialkräfte rückten an, vermutlich mit einer Mischung aus Professionalität und stillem Wunsch, dass diesmal wenigstens nichts explodiert oder brennt. Immerhin ist Brandenburg ein Bundesland, das sich seine Katastrophenpünktlichkeit bewahrt hat: Man weiß nie, was passiert, aber man weiß, dass es gern plötzlich passiert.
Die „Märkische Oder-Zeitung“ berichtet, dass während Arbeiten an der Leitung plötzlich eine Ölfontäne emporstieg – rund zehn Meter hoch. Zehn Meter! Das sind ungefähr drei übereinandergestapelte SUVs oder ein mittelgroßer brandenburgischer Kirchturm ohne Dach. Man hätte also theoretisch ein spontanes Hochdruck-Öl-Event veranstalten können, wenn nicht alle damit beschäftigt gewesen wären, die Fontäne einzudämmen und die Gegend nicht unfreiwillig in eine spontane Wellness-Anlage „Brandenburgs erste Öldusche“ zu verwandeln.
Die Ursache? Noch unbekannt. Der Schaden? Ebenfalls unklar. Aber laut Zeitung sei die Leitung alt gewesen und nicht mehr für den Dauerbetrieb ausgelegt. Was wiederum ungefähr so klingt wie: „Wir dachten, sie hält vielleicht noch ein bisschen, aber dann hat sie beschlossen, ihren eigenen Abschied spektakulär zu feiern.“
Es ist ein Klassiker der Infrastrukturkunde: Irgendwo liegt eine Leitung, die seit Jahrzehnten treu ihren Dienst verrichtet, dann kommt der Moment, an dem jemand mit einem Schraubenschlüssel, einem Prüfgerät oder schlicht guter Laune vorbeikommt – und zack, die Leitung entscheidet, dass jetzt der perfekte Zeitpunkt für eine überraschende Öl-Fontänen-Performance ist.
Spezialteams versuchen nun, das Leck zu schließen. Wahrscheinlich mit einer Mischung aus Hightech, Absperrbändern und dem berühmten „Bitte halten Sie Abstand, wir tun unser Bestes“-Blick. Wer sich das Ganze von außen ansieht, könnte meinen, es handele sich um eine ungewöhnliche Probe für die IGA 2030, bei der Pflanzen mit Rohöl statt Wasser gegossen werden sollen – aber nein, es ist einfach ein weiterer Dienstag in Brandenburg.
Und während Feuerwehrleute, Einsatzkräfte, Umweltbehörde und vermutlich auch einige erstaunte Spaziergänger alles tun, um die Lage unter Kontrolle zu bringen, bleibt der Rest der Republik mit einer Frage zurück:
Wie oft müssen wir eigentlich noch hören, dass irgendein wichtiges Rohr „nicht mehr für den Dauerbetrieb ausgelegt“ war?
Vielleicht ist es an der Zeit, Deutschlands Leitungen wie Haustiere zu behandeln: regelmäßig füttern, streicheln, überprüfen – und ihnen sagen, dass sie wichtig sind, damit sie nicht aus Trotz zehn Meter hohe Fontänen in die Luft schießen.
Bis weitere Informationen vorliegen, bleibt Brandenburg also um ein ungewöhnliches Schauspiel reicher. Eine Ölfontäne, die kurzzeitig zur regionalen Sehenswürdigkeit wurde – und hoffentlich nicht zu einer langfristigen Umweltkatastrophe mutiert.