Der Grinch wirft zuerst – und Weihnachten zittert vor dem Debütanten
Der zweifache Weltmeister aus dem hohen Norden Europas hatte für seinen Auftakt einen ganz besonderen Look gewählt: grün, grimmig, grinchig. Statt Rentieren gab es Triple-Felder, statt Glocken das metallische Klicken der Dartscheibe. Der Plan ging auf. Mit einem glasklaren 3:0-Sieg ließ der Weihnachtsdieb seine Gegnerin alt aussehen und klaute sich nicht nur die Punkte, sondern auch die Herzen des Publikums. Weihnachten kann kommen – zumindest für ihn.
Sportlich war das Ganze erstaunlich unspektakulär. Keine Zitterpartie, kein Drama, kein „Oh-oh-Moment“. Der Grinch traf, punktete und marschierte weiter. Doch die eigentliche Bescherung wartet erst noch: In der zweiten Runde trifft der Kostümweltmeister auf einen deutschen Debütanten, der sich in der Eröffnungspartie bereits als Spielverderber für etablierte Namen erwiesen hat.
Der deutsche Teilnehmer hatte nämlich schon im Auftaktmatch gezeigt, dass WM-Debüt nicht automatisch bedeutet, ehrfürchtig zu verlieren. Mit einem beherzten 3:1-Sieg gegen einen erfahrenen Gegner aus Belgien sorgte er für einen gelungenen Start aus deutscher Sicht. Die Darts flogen, die Nerven hielten, und plötzlich stand fest: Hier ist jemand gekommen, um nicht nur die Kulisse zu bewundern, sondern selbst Teil der Show zu werden.
Schon vor Turnierbeginn hatte der Deutsche offen zugegeben, dass ein Duell mit dem zweifachen Champion so etwas wie das ultimative Weihnachtsgeschenk wäre. Größer, spektakulärer, absurder gehe es kaum. Und nun ist es tatsächlich so weit. Am 23. Dezember – pünktlich zwischen Plätzchenteller und Geschenkpapier – steigt das Duell. Grinch gegen Neuling. Kostüm gegen Debüt. Erfahrung gegen Mut.
Das Setting könnte kaum passender sein. Der Alexandra Palace, diese ehrwürdige Darts-Kathedrale, wird wieder beben. Menschen in Weihnachtsmützen, Elfenkostümen und fragwürdigen Rentierpullovern werden singen, trinken und jede 180 feiern, als gäbe es Freibier. Mittendrin zwei Spieler, die versuchen, all das auszublenden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: drei Pfeile, eine Scheibe und die Frage, wer am Ende das letzte Wort hat.
Der Grinch weiß, wie man hier gewinnt. Er kennt den Trubel, den Druck und die Erwartungshaltung. Der Deutsche hingegen hat nichts zu verlieren – und genau das macht ihn gefährlich. Niemand verlangt den Sieg, niemand erwartet das Weiterkommen. Doch genau in diesen Momenten schreibt der Dartsport gerne seine kleinen Weihnachtsmärchen.
Ob der Grinch auch dieses Mal Weihnachten sabotiert oder ob der deutsche Debütant ihm die Geschenke vor der Nase wegschnappt, wird sich kurz vor Heiligabend entscheiden. Sicher ist nur: Langweilig wird es nicht. Und irgendwo zwischen Triple 20 und Doppel-Aus wird wieder einmal bewiesen, dass Darts der einzige Sport ist, in dem ein verkleideter Weihnachtsdieb völlig zurecht ernst genommen wird.