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Finale? Klar! Wenn Handballerinnen beschließen, einfach Spaß zu haben

Manchmal passiert im Sport etwas, das man vorher nicht planen kann. Kein Taktikboard der Welt, kein Motivationsspruch aus dem Kalender und keine noch so detaillierte Gegneranalyse kann erklären, was da gerade geschieht. Genau so ein Fall ist diese Heim-WM der deutschen Handballerinnen. Eine Mannschaft, getragen von Euphorie, Zusammenhalt und einem kollektiven „Warum eigentlich nicht?“, spielt sich schnurstracks bis ins Finale. Und jetzt wartet dort das beste Team der Welt. Na und?

Finale? Klar! Wenn Handballerinnen beschließen, einfach Spaß zu haben

Schon vor dem Halbfinale lag etwas in der Luft. Und nein, es war nicht nur Hallenluft, sondern diese besondere Mischung aus Vorfreude, Trotz und einem sehr entspannten Verhältnis zum Begriff Erwartungsdruck. Während andere Mannschaften vor großen Spielen aussehen, als müssten sie gleich eine Steuerprüfung bestehen, standen die deutschen Spielerinnen da, hörten die Hymne – und lächelten. Einfach so. Kein Zittern, kein Starren ins Leere, kein panisches Umklammern des Handtuchs. Nur Lust. Richtig Lust.

Der Gegner kam mit Titelambitionen, Prestige und der dezenten Bürde, etwas verlieren zu können. Die Deutschen hingegen hatten nichts zu verlieren – außer vielleicht ihre Stimmen vom vielen Anfeuern. Sie waren längst über dem Soll. Über der Prognose. Über dem, was ihnen viele zugetraut hatten. Und genau so spielten sie auch: frei, wild, leidenschaftlich und mit einer Spielfreude, die selbst neutrale Zuschauer dazu brachte, plötzlich Regeln zu googeln.

Was dann folgte, war keine knappe Zitterpartie, kein dramatisches Last-Minute-Wunder, sondern ein überraschend souveräner Auftritt. Tore fielen, Abwehrreihen standen, Emotionen explodierten. Der Favorit wurde aus dem Turnier verabschiedet, und zwar mit Nachdruck. Am Ende stand ein Ergebnis, das nicht nur auf der Anzeigetafel überzeugte, sondern auch im Gefühl: Finale.

Finale. Dieses Wort, das seit Jahrzehnten eher nostalgisch als realistisch klang. Zum ersten Mal seit 32 Jahren geht es wieder um Gold. Damals war alles anders – Frisuren, Trikots, Fernsehkameras. Heute ist nur eines gleich geblieben: Dieses Gefühl, dass gerade etwas Größeres passiert.

Nun wartet im Endspiel das Maß aller Dinge. Das Überteam. Handball in Reinform. Perfektion mit Wurfarm. Ein Gegner, bei dem selbst eingefleischte Fans kurz schlucken. Aber auch hier gilt: na und? Wer bis hierhin gekommen ist, hat das Recht, groß zu denken. Oder zumindest frech.

Am Abend nach dem Halbfinale war an taktische Feinjustierung ohnehin nicht zu denken. Während irgendwo vielleicht schon jemand über das nächste Spiel nachdachte, tat das Team das einzig Richtige: feiern. Umarmen. Weinen. Lachen. Emotionen sortieren, indem man sie einfach ungefiltert rauslässt. Tränen liefen, Stimmen brachen, und manche Spielerin merkte schon Minuten vor dem Ende, dass da gerade Realität wird, was lange unmöglich schien.

Fünf Tore Vorsprung. Noch zwei Minuten zu spielen. Der Gegner ohne Rhythmus, ohne Momentum, ohne Hoffnung auf eine späte Wende. Und auf der Bank, auf dem Feld, auf den Rängen: dieses kollektive Begreifen. Wir sind wirklich im Finale.

Nach dem Spiel war von Erschöpfung die Rede. Von 60 Minuten Kampf. Von einem Spiel, das alles abverlangt hatte – körperlich, mental, emotional. Aber auch von etwas anderem: Stolz. Dankbarkeit. Und diesem unbeschreiblichen Glücksgefühl, Teil von etwas zu sein, das man später einmal erzählen wird.

Diese Mannschaft spielt nicht nur Handball. Sie spielt Freude. Sie spielt Mut. Sie spielt diesen einen Moment, in dem Sport mehr ist als Ergebnis. Und egal, was im Finale passiert: Dieses Turnier ist jetzt schon ein kleines Wunder. Und wer weiß – vielleicht kommt ja noch eins dazu.