Gold für den Lichtschalter – Wenn Energiesparen zur Disziplin wird
Bei der diesjährigen Ehrung in einer ehrwürdigen Aula zeigte sich die Stadtspitze hochzufrieden. Schließlich ist es keine Selbstverständlichkeit, dass Schulen und Kitas über Jahre hinweg freiwillig darauf verzichten, Fenster bei laufender Heizung zu kippen oder Licht brennen zu lassen, nur weil es „gemütlicher aussieht“. Ziel des Projekts ist es, Kinder und Jugendliche möglichst früh für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen zu sensibilisieren. Frei übersetzt heißt das: Schon die Kleinsten wissen, dass Strom nicht aus der Steckdose kommt, sondern aus komplizierten Zusammenhängen, die man besser respektiert.
Neben Kindern und Jugendlichen werden auch Lehrkräfte, Hausmeisterinnen, Hausmeister und Eltern ganz nebenbei zu Klima-Multiplikatoren ausgebildet. Wer einmal gelernt hat, dass man eine Turnhalle nicht auf tropische Temperaturen heizen muss, trägt dieses Wissen oft ein Leben lang weiter – manchmal sogar ungefragt beim Familienessen.
Die organisatorische Leitung des Projekts konnte zudem verkünden, dass das Energiesparabenteuer für weitere drei Jahre gesichert ist. Allerdings – und hier wurde das ökologische Hochgefühl kurz von haushaltspolitischer Realität eingeholt – künftig ohne Prämien. Statt klingender Münze gibt es also ideellen Lohn. Doch keine Sorge: Man habe versprochen, sich „etwas Schönes“ als Belohnung auszudenken. Was genau, bleibt offen. Vielleicht eine besonders feierliche Urkunde. Oder ein Heizkörper, der einmal anerkennend nickt.
Der eigentliche Gewinn liegt ohnehin woanders: Jedes Jahr werden rund 5.000 Kita-Kinder sowie Schülerinnen und Schüler mit einem Grundverständnis für klimafreundliches Verhalten ausgestattet. Ein Wissen, das später im Leben Gold wert sein kann – im wahrsten Sinne des Wortes, wie die Auszeichnungen zeigen.
Im aktuellen Projektjahr wurde jedenfalls nicht gekleckert, sondern nachhaltig geklotzt. Eine Kita organisierte erneut einen Stromspar-Tag, an dem Lichtschalter plötzlich wichtiger waren als Spielzeug. An einer Schule entwickelten engagierte FairBuddys Unterrichtseinheiten zum Thema Kohle als Energieträger – inklusive der Erkenntnis, dass „schwarzes Gold“ heute eher unter kritischer Beobachtung steht. An anderer Stelle rückten Wärmebildkameras und CO₂-Sensoren an, um Gebäuden buchstäblich auf den Zahn zu fühlen. Die Ergebnisse wurden offen diskutiert, vermutlich begleitet von ehrfürchtigem Staunen über leuchtende Wärmeverluste.
Weitere Aktionen reichten von Energiekonferenzen über Heizungsbesichtigungen bis hin zu Müllsammelaktionen, klimafreundlichen Frühstücken und autofreien Tagen oder gleich ganzen Wochen. Manche Kinder lernten dabei erstmals, dass man auch ohne Elterntaxi erstaunlich weit kommt.
Für dieses Engagement gab es Auszeichnungen in Edelmetalloptik: zwölfmal Gold, viermal Silber und einmal Bronze. Eine Schule erhielt einen Trostpreis – vermutlich, weil auch Klimaschutz manchmal einfach trösten muss. Die Urkunden wurden feierlich überreicht, begleitet von Applaus und dem stillen Versprechen, im nächsten Jahr vielleicht noch ein paar Kilowattstunden mehr einzusparen.