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Picasso für 100 Euro: Die französische Kunstlotterie, die alles auf den Kopf stellt

Frankreich, das Land, in dem Käse, Revolutionen und Bürokratie miteinander um die Hauptrolle konkurrieren, hat wieder zugeschlagen. Diesmal allerdings nicht mit einem neuen Streik, sondern mit einer Lotterie, bei der man für gerade einmal 100 Euro etwas gewinnen kann, das normalerweise unbezahlbar ist – ein echtes Gemälde eines weltberühmten Malers, der einst die Kunstwelt auf links gedreht hat wie ein schlecht sortiertes Wäschepaket: Ein „Frauenkopf“, gemalt im Jahr 1941, als die Welt brannte, er aber weiterhin Köpfe malte, die ungefähr so aussahen, als hätten sie beim Selfie-Machen gleichzeitig drei Realitäten durchlebt.

Picasso für 100 Euro

Die Aktion ist simpel: Wer 100 Euro übrig hat (oder glaubt, sie übrig zu haben, weil man seit Wochen nicht mehr auf sein Konto geschaut hat), kann ein Los kaufen. Insgesamt stehen 120.000 davon bereit – genug also, um mindestens zwei französische Innenstädte zuzupflastern, falls jemand auf die Idee kommt, sie im XXL-Format auszudrucken. Und wie läuft das Ganze ab? Die Ziehung findet im Auktionshaus Christie's in Paris statt, natürlich live im Internet, damit auch wirklich jeder sehen kann, wie genau nicht sein Los gezogen wird.

Das Gemälde selbst zeigt die berühmte Muse des Malers: eine Fotografin, Malerin und Lebenskomplizin, deren Gesicht er in unzähligen Variationen verzerrte, als wäre die Realität eine Empfehlung, aber kein Muss. Die Familie des Künstlers unterstützt das Ganze – vermutlich, weil es ihnen eine tiefe Freude bereitet, wenn Menschen nervös auf Bildschirme starren, während ihre eigenen Kunstwerke durch das Netz gewirbelt werden wie Premium-Lotteriepreise.

Der Erlös? Geht an die Alzheimer-Forschung. Und das ist schön. Denn wenn man sich die Welt so ansieht, könnte man manchmal glauben, ein paar kollektive Gehirnzellen hätten sich bereits verabschiedet. Da kommt Forschung doch ganz gelegen.

Und es ist nicht das erste Mal, dass die Organisatoren – eine französische TV-Größe und ihr Team – Kunstwerke des Malers in die öffentliche Glücksmaschine werfen. Bereits 2013 durfte sich eine 25-jährige US-Amerikanerin über das Überraschungspaket ihres Lebens freuen. Man stelle sich das vor: Man gewinnt ein Kunstwerk im Wert von mehr als einer Million Euro und muss zunächst allen erklären, dass es kein Druck aus dem Möbelhaus ist.

2020 dann wieder Glücksregen: Diesmal traf es eine Buchhalterin aus Norditalien. Sie bekam das Los von ihrem Sohn zu Weihnachten geschenkt. Was die schlagende Frage auslöst: Wie viele Eltern weltweit schauen jetzt neidisch auf dieses Geschenk und denken, dass sie ihren Kindern viel zu oft Socken schenken?

Die Tradition wächst, die Spannung steigt – und natürlich auch die Frage: Was kommt als Nächstes? Eine Picasso-Rubbellotterie? Ein Monet im Überraschungsei? Ein Van Gogh, der nur sichtbar wird, wenn man den QR-Code richtig hält?

Doch egal wie man es dreht: Die Aktion ist eine herrliche Mischung aus Kunst, Glücksspiel und mildem Wahnsinn. Und vielleicht ist genau das die perfekte Definition für moderne Kultur. Wer also schon immer einmal in die Liga der Kunstsammler aufsteigen wollte, ohne dafür drei Villen und einen diskreten Beraterkreis zu benötigen, hat jetzt die Chance.

Man braucht nur 100 Euro, etwas Mut, und die Bereitschaft, das Ereignis live zu verfolgen – inklusive der bitter-süßen Erkenntnis, dass Murphy’s Law auch in Paris gilt: Das eigene Los gewinnt immer erst im Paralleluniversum.