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Silber glänzt wie Gold: Wenn Handball ins Rathaus einzieht

Manchmal braucht es keinen Zauberstab, keinen Schneesturm und keine singenden Rentiere. Manchmal reicht ein Ball, ein paar mutige Würfe und eine Halle, die vor Euphorie bebt. So geschehen im diesjährigen „kleinen Wintermärchen“, das sich von der Küste bis tief ins Ruhrgebiet erzählte – mit Handball, Herz und einer ordentlichen Portion Gänsehaut.

Silber glänzt wie Gold

Die deutschen Handballerinnen haben bei der Weltmeisterschaft der Damen etwas geschafft, das man hierzulande fast schon verlernt hatte: Sie haben ein ganzes Land für eine Sportart begeistert, die sonst gerne zwischen Fußball, Biathlon und Curling-Vorrunden verschwindet. Mit Tempo, Teamgeist und der bemerkenswerten Fähigkeit, auch in hitzigen Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren, spielten sie sich bis ins Finale. Dort wartete allerdings der große Endgegner mit eingebautem Titel-Abo. Das Endergebnis fiel knapp aus, der Gegner blieb Favorit – und dennoch glänzte am Ende Silber wie pures Gold.

Denn diese Medaille ist mehr als nur ein Stück Metall. Sie ist die erste Top-Drei-Platzierung der deutschen Damen seit einer gefühlten Ewigkeit, also seit einer Zeit, in der Handys noch Tasten hatten und Streaming ein Fremdwort war. Entsprechend groß war der Jubel, entsprechend laut die Anerkennung – und entsprechend feierlich die Einladung ins Rathaus einer Stadt, die Handball nicht nur kennt, sondern lebt.

Dort, wo sonst Anträge diskutiert, Beschlüsse gefasst und Tagesordnungen seziert werden, wurde kurzerhand der rote Teppich ausgerollt. Empfang statt Ausschuss, Applaus statt Aktenordner. Die Vize-Weltmeisterinnen durften sich in das Goldene Buch der Stadt eintragen – ein Ritual, das normalerweise Staatsgästen, Nobelpreisträgern oder besonders standhaften Karnevalsprinzen vorbehalten ist. Nun also auch Handball-Heldinnen. Völlig zu Recht.

Der Ort der Ehrung war dabei alles andere als zufällig gewählt. Denn genau hier, in der legendären Halle der Stadt, hatten die Spielerinnen zuvor den Grundstein für ihren WM-Erfolg gelegt. Drei Siege in der Hauptrunde, dazu ein nervenstarker Viertelfinal-Erfolg – diese Halle wurde zum emotionalen Startblock der Medaillenreise. Man könnte sagen: Wer hier gewinnt, dem steht die Welt offen. Oder zumindest der Weg ins Rathaus.

Die Stimmung bei der Ehrung schwankte irgendwo zwischen Stolz, Erleichterung und dem leisen Gefühl, dass hier gerade Sportgeschichte geschrieben wurde. Kein Pathos, keine Übertreibung – nur ehrliche Anerkennung für eine Mannschaft, die sich ihren Platz im Rampenlicht erarbeitet hat. Und die dabei gezeigt hat, dass Spitzensport auch ohne Allüren, Skandale oder Transfergerüchte funktionieren kann.

Besonders bemerkenswert: Diese Mannschaft hat nicht nur Spiele gewonnen, sondern Bilder produziert, die hängen bleiben. Jubeltrauben nach Abpfiff, Tränen der Erschöpfung, Umarmungen, die mehr sagen als jede Pressekonferenz. Handball zum Anfassen, zum Mitfiebern, zum Wiederentdecken.

Während die Tinte im Goldenen Buch trocknete, wurde eines klar: Diese Silbermedaille ist kein Endpunkt, sondern ein Versprechen. An den Nachwuchs, an die Fans, an all jene, die jetzt wieder wissen, warum sie sich einst in diesen Sport verliebt haben. Und an eine Stadt, die für ein paar Stunden bewiesen hat, dass Verwaltung und Euphorie sehr wohl zusammenpassen – solange der Anlass stimmt.