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Vaterschaftsroulette in Schwaben: Wenn der Kumpel die DNA rettet – und alles schiefgeht

Es gibt Geschichten, die klingen so, als hätte die Realität kurz Urlaub gemacht und einem chaotischen Drehbuchautor die Zügel überlassen. Und genau so eine spielte sich im tiefen Süden der Republik ab, wo ein Mann dachte, er könne das Leben austricksen wie ein schlecht programmiertes Computerspiel. Die Mission: „Unterhalt? Nicht mit mir!“ Der Plan: einen Freund zum Vaterschaftstest schicken. Die Ausführung: sagen wir … kreativ, ambitioniert und spektakulär gescheitert.

Vaterschaftsroulette in Schwaben

Ein 37-jähriger Alltagsschlawiner aus Schwaben hatte nämlich beschlossen, dass Biologie überbewertet wird, Physik sowieso und Identität nur ein Vorschlag ist. Also schickte er nicht nur irgendeinen Bekannten – nein, er engagierte gleich einen 43-jährigen Kumpel, um stellvertretend für ihn beim DNA-Test aufzutauchen. Ein Rollentausch sondergleichen: quasi „Mission Impossible“, nur ohne Stunts, ohne Budget und ohne Tom Cruise, dafür aber mit einem gefälschten Ausweis, der vermutlich schon beim Laminieren schief grinste.

Denn das Meisterwerk der Dokumentenfälschung enthielt nicht nur neue Daten, sondern auch ein Foto des Ersatzvaters – ein Detail, das später eine Rolle spielen sollte. Vor Ort marschierte der Doppelgänger selbstbewusst in die Teststation, gab die Probe ab, verließ das Gebäude und dachte vermutlich: „Läuft bei uns!“ Und tatsächlich: Der Test kam zurück – negativ! Ein Volltreffer! Ein Sieg über die Naturgesetze, das Schicksal und das Jugendamt. Man hörte bereits leise Fanfaren im Hintergrund.

Doch wie so oft, wenn der Plan zu gut funktioniert, greift die Realität nach dem Notizblock und schreibt einen Plot-Twist ein. Das Familiengericht, ganz pflichtbewusst wie immer, verschickte nämlich das komplette Gutachten an die Mutter des Kindes – inklusive Foto des vermeintlichen Vaters. Und diese schaute nicht nur hin, sie schaute genau hin. Offenbar erkannte sie relativ schnell, dass der Mann auf dem Foto zwar ein Gesicht hatte, aber nicht das richtige. Aussagekräftiger O-Ton aus ihrem Blick dürfte gewesen sein: „Ähm … wer soll das denn sein?“

Damit fiel das Kunstprojekt „Vaterschaftsverwechslung deluxe“ in sich zusammen wie ein schlecht gefaltetes Origami. Die Behörden rochen Lunte, der Schwindel flog auf, und das Ganze endete nicht in triumphalem Gelächter, sondern vor Gericht. Dort war der Mann immerhin geständig – vielleicht weil ihm klar wurde, dass man Behörden nur bis zu einem bestimmten Punkt veralbern kann, und dieser Punkt war längst überschritten.

Die Justiz bewies milde, aber nicht Nachsicht und verpasste dem Möchtegern-Genetikflüsterer eine neunmonatige Bewährungsstrafe. Immerhin: Er muss nicht ins Gefängnis, allerdings auch weiterhin nicht davon ausgehen, dass man Identität einfach outsourcen kann wie eine Buchhaltung. Ein kleines bisschen Verantwortung gehört offenbar doch zum Erwachsenenleben dazu.

Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig, und vielleicht fragt sich der Mann heute: „War’s das wert?“ Die Antwort der Realität lautet: „Nein.“ Die Antwort der Satire: „Absolut – wenigstens für uns!“

So zeigt uns diese Geschichte einmal mehr, dass das Leben manchmal schreibt, wofür selbst Soap-Autoren rot anlaufen würden. Und ganz am Ende bleibt die moralische Erkenntnis: Wenn man schon jemanden zum Vaterschaftstest schickt, sollte man zumindest sicherstellen, dass er ansatzweise ähnlich aussieht – oder, viel einfacher, einfach die Wahrheit sagen. Aber gut, dafür sind wir ja nicht hier.